In diesem Beitrag möchte ich meine Gründe für meine aktuelle Homebase in Ungarn teilen. Viele Nomaden haben Ungarn überhaupt nicht auf dem Schirm.
Auswandern nach Ungarn
Eigentlich hatte ich Ungarn ursprünglich auch nicht auf dem Schirm. Da ich auch etwas Spanisch spreche, waren eher Spanien und Lateinamerika meine Vorstellungen. Das war jedoch schwer möglich, da ich beruflich teilweise auch offline tätig war. Ich war über 15 Jahre als Hochzeit-DJ tätig. Dabei hatte ich manchmal Verträge, die schon zwei Jahre vor der Hochzeit abgeschlossen wurden.
Dieser Beruf hat mir zwar viel Freiheit und Freizeit geboten, jedoch waren die Hochzeiten fast über das ganze Jahr verteilt und somit war eine komplette Auswanderung zu dieser Zeit nicht möglich.
Im Jahr 2018 hatte ich sehr viele Auftritte und ich wollte einen Teil des Geldes investieren. Ich las dazu einige Bücher und es entstand die Idee eine Immobilie zu kaufen und zu vermieten. Schnell stellte sich heraus, dass das in Österreich wenig lukrativ war. Jede EFT bringt jährlich mehr Rendite und weniger Sorgen.
Trotzdem ließ mich das Thema Immobilien nicht los. Ich änderte die Idee und suchte ein Haus, das ich als Alterswohnsitz nutzen konnte und in der Zwischenzeit vermieten könnte. Außerdem sollte es mindestens 10% Rendite bringen. So bin ich auf Ungarn gekommen und auf das Thema Mietkauf. Das war zu dieser Zeit noch sehr häufig, da Ungarn damals noch nicht so gefragt war.
Ich fand ein Objekt, das auf Mietkaufbasis verkauft wurde und obendrein nur € 17500,- kosten sollte. Ich nahm mit der Besitzerin Kontakt auf und wir haben uns dann auf eine Summe von € 15500,- zahlbar in monatlichen Raten.
Somit hatte ich ein Haus in Ungarn und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was mich erwartete. Zum Glück bin ich in einem zweisprachigen Dorf in Südungarn. Somit waren die sprachlichen Probleme nicht so groß. Aber die Renovierungen im Haus sollten sich etwas aufwendiger gestalten als erwartet. Das Haus wurde zum Großteil aus Lehm gebaut. Das ist in Österreich überhaupt nicht üblich. So musste ich mich einmal durch unzählige YouTube-Videos und Webseiten kämpfen, bevor ich beginnen konnte. Lehm bietet ein sehr tolles Raumklima, aber man muss bei der Bearbeitung aufpassen, was man macht.
Das Lehmhaus benötigt z. B. keine Klimaanlage. Auch, wenn es draußen über 35 Grad hat, habe ich im Haus maximal 24 Grad.
In den ersten beiden Jahre renovierte ich einmal die wichtigsten Räume und Mängel rund um das Haus. Und dann kam Corona. Da ich damals noch keine Wohnkarte hatte, durfte ich nicht einreisen. Somit stand auch die Baustelle. Das hängt mir heute noch nach.
Steuern und Kosten in Ungarn

Jedoch öffnete Ungarn 2021 relativ schnell die Grenzen und alle Einschränkungen wurden aufgehoben. In Österreich war dann wieder Lockdown und hier war alles normal. Da dachte ich das erste Mal darüber nach, überhaupt nach Ungarn auszuwandern. Ich suchte einen Steuerberater in Pécs auf und er stellte mir das KATA System vor. Dabei durfte man bis zu umgerechnet rund € 30000,- Umsatz machen und es war egal, wie hoch der Gewinn daraus war, man zahlte pauschal HUF 50000,- für Steuern und Sozialversicherung. Das waren beim damaligen Wechselkurs rund € 150,-!
Das war ein Argument und die Lockdowns in Österreich machte mir die Entscheidung leicht. So begann ich im Oktober 2021 mit der Umsetzung. Zuerst die Wohnkarte. Damit konnte ich das Auto ummelden und Internet ins Haus bekommen. Für das Auto bezahle ich hier für die Versicherung beim aktuellen Kurs rund € 105,- und die Steuer beträgt rund € 36,-. Das sind pro Jahr rund € 140,-. In Österreich waren es € 780,-.
Die nächste positive Überraschung war das Internet. Ich wohne hier in einem Dorf mit rund 200 Einwohnern und es gibt seit 2019 Glasfaser hier. Ich habe einen Anschluss mit 1 Gbit Download. Garantiert sind 300 Mbit und im Schnitt habe ich zwischen 400 und 500 Mbit Up- und Download. Das reicht für Onlinetätigkeiten, oder? Dafür bezahle ich rund € 20,- pro Monat.
Leider gab es im Sommer 2022 eine Änderung beim KATA System. Die Summe wurde erhöht und ist jetzt nur mehr für Kleinunternehmer möglich, die ausschließlich Privatkunden haben. Als Affiliate und Network Marketer bekomme ich aber auch von Firmen Provisionen und ich bin hinausgefallen. Aktuell bin ich pauschal eingestuft. Vom erzielten Umsatz werden 40% als Ausgaben abgezogen und davon wird dann Steuer und Sozialversicherung berechnet. Da ich sehr wenige Ausgaben habe, ist das noch akzeptabel.
Warum ich die Homebase behalte
Ich könnte im heurigen Jahr (2023) das Haus steuerfrei verkaufen. Nach fünf Jahren fällt in Ungarn keine Gewinnsteuer an. Da das Haus jetzt mindestens doppelt so viel wert ist, war die Überlegung da, zu verkaufen und auf Weltreise zu gehen. Mit € 35000,- bis 40000,- könnte ich schon eine Zeit lang reisen. Jedoch wäre das Geld eines Tages zu Ende und was dann? Außerdem ist es nicht mehr so einfach um diesen Preis ein voll bewohnbares Haus zu kaufen. Mein Vorgänger hat vor Jahren eine Zentralheizung eingebaut, einen Zubau errichtet und auch sonst einiges modernisiert.
Ich war im Winter ein paar Monate beruflich in Tirol. Ich hatte dort vom Arbeitgeber ein Quartier. Jedoch hatte ich eine schwere Darminfektion und musste das Arbeitsverhältnis kündigen. Durch meine Homebase konnte ich nach Ungarn fahren und den Darm ausheilen. Hätte ich kein Haus gehabt, wäre es teuer geworden. Zuerst kein Einkommen und in weiterer Folge keine Wohnung. Also wohin hätte ich gehen können? Entweder ein Airbnb in Österreich oder eine Wohnung mieten. Beides im Winter in der Hauptsaison überteuert.
Dazu kam die Kostenkalkulation. Ich habe hier derzeit monatliche Fixkosten von rund € 150,- für das Haus. Darin sind enthalten die Kosten für meinen Hausmeister, der sich um den Rasen und das Haus kümmert. Außerdem Strom, Gas, Müllabfuhr, Grundsteuer, Internet, Wasser und Müllabfuhr. In Österreich würde ich für einen großen Container als Lager bis zu € 120,- bezahlen. Diese Größe wäre notwendig, um bei einer Weltreise und verkauftem Haus meine wichtigsten Besitztümer zu lagern. Hier habe ich um etwas mehr ein ganzes Haus mit 4 Räumen, Heizung, Nebengebäuden und 4500 qm Grund.
Daher habe ich mich dazu entschlossen, das Haus zu behalten und es als Rückzugsort zu nutzen. Auch wenn ich auf Weltreise gehen sollte, was noch ein Ziel ist, sind die Kosten dafür überschaubar.
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